Hausandacht für den Sonntag „Lätare“ („Freuet euch…“)

Dieser 4. Sonntag in der Passionszeit hat auch manchmal den Namen „Klein-Ostern“. Die Freude rückt näher. Auch wenn wir in diesen Zeiten auch politisch weit davon entfernt sind. Die Andacht

lädt ein, einen Moment der Stille und Besinnung zu finden in dieser unruhig gewordenen Zeit. 

Allen ein schönes Wochenende und einen gesegneten Sonntag

27. März 2022

Evangelische Kirchengemeinde Waldau - Pfarrer Oliver Uth


Wochenspruch: 

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;  wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht (Joh 12,24)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

aus Psalm 126

Als der Ewige Zions Geschick wendete, war es, als träumten wir:

            Da füllte Lachen unseren Mund

            und Jubel unsere Zunge.

Da sagten sie unter den Nationen:

Großes hat der Ewige an ihnen getan. Großes hat der Ewige an uns getan, wir sind es, die sich freuen!

             Wende, Ewiger, unser Geschick,

             wie du Flüsse im Negev wiederbringst. Die mit Tränen säen – mit Jubel werden sie ernten.

Da gehen sie, sie gehen und weinen und tragen den Beutel zum Säen.

             Da kommen sie, kommen mit Jubel

             und tragen ihre Garben.

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Gebet

Der Sonntag Lätare ermuntert zur Freude

Freude wollen wir, suchen wir, brauchen wir – in und trotz allem. Freude mitten in der Passionszeit, mitten in Zeiten der Einschränkung mitten in Krieg und Unruhe, in Krankheit und Unsicherheit,  mitten in einer Zeit und in einer Welt, in der Menschen hungern und streiten und flüchten. Wende, Ewiger, unser Geschick

die mit Tränen säen, lass sie mit Jubel ernten Hilf, Herr, 

Erbarme dich.

             

Lesung

Aus dem Evangelium nach Johannes, Kapitel 12, Verse 20-24

Unter denen, die zum Fest nach Jerusalem gekommen waren, um Gott anzubeten, befanden sich auch einige Nichtjuden. Sie gingen zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: »Herr, wir möchten gerne Jesus kennen lernen.« Philippus sagte es Andreas, und die beiden gingen zu Jesus. Er antwortete ihnen: »Die Stunde ist gekommen! Jetzt wird die Herrlichkeit des Menschensohns sichtbar werden. Ja, ich versichere euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

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Ansprache 

Das Bild vom Weizenkorn, das gesät wird und wächst, und dann vielfältige Frucht bringt, das kennen wir. Dafür gibt es in den Evangelien ein paar Beispiele. Das scheint Jesus ganz gerne genutzt zu haben – und vielleicht auch, weil es eben unseren Erfahrungen entspricht. Und dafür müssen wir gar keine Landwirte sein, zu deren Handwerkszeug es gehört, hier genau drauf zu achten. Uns reicht schon ein Garten, den wir im Frühling bestellen. Obstbäume, die gepflanzt, gehegt und geschnitten werden, damit sie viele und gute Früchte tragen. Und es gibt noch ganz andere Beispiele dafür. Etwas fängt klein an, darf wachsen, trägt gute Frucht. Ein schönes Bild. Das vom Weizenkorn, das Frucht trägt - 

Aber warum betont dieser Gedanke so sehr das Sterben? „Wenn es nicht erstirbt, bleibt es allein…“ Wenn etwa beginnt, erleben wir es als Freude, als Bereicherung, mit Zukunft. Warum so düster? Was meint Jesus?

Sicher: hier wird immer der Hinweis auf Jesu Tod gesehen. Der Zusammenhang, in der die Stelle im Johannesevangelium steht, legt es nahe, denn er blickt schon auf sein Ende hin. Gerade unter großem Jubel in Jerusalem eingezogen wird bewußt das Ende vor Augen gemalt – aber mit dem

Ende, mit Jesu Tod, wird ein Wendepunkt markiert. Die Rede ist von „wenn ich erhöht werde will ich euch zu mir ziehen“ und davon, dass die Jünger seinem Beispiel folgen sollen, Frucht tragen werden, eins sind, Gemeinschaft haben, leben. Da fängt was an. Und wenn nicht schon die Kirche, dann doch Nachfolge Jesu als ein Miteinander in Nächstenliebe, das das Gesicht der Welt verändert. „Ein Beispiel habe ich euch gegeben…“ Vielfältige Frucht. Welch froher Ausblick. Und wie wenig atmet dieser Gedanke trübe Todesnotwendigkeit.

Dieser Sinnspruch beschreibt, was biologisch betrachtet unter der Erde passiert – nur ein Versuch und nur ein Bild, und eben nur als bildliche Übertragung eines Gedankens – aber so stimmt es ja auch nicht. Das Weizenkorn stirbt nicht, es verwandelt sich. Es wächst. Gibt seine Kraft weiter.

Da entwickelt sich Leben und in diesem Leben ist das Weizenkorn von Anfang an dabei. Das

Korn ist notwendiger Anfang, es bringt sich ein, stellt sich zur Verfügung, läßt sich auf

Veränderung ein. Sie merken schon: ich versuche hier mal das Wort – und den Gedanken – „Tod“ zu vermeiden.

Vielleicht ist das schon ein Hinweis: Nicht das Bild vom Tod bringt uns diesen Wochenspruch näher, sondern der Gedanken der Veränderung, damit der Neuausrichtung, des Neubeginns auch:

Es geht weiter, wenn auch anders. Das heißt aber gleichzeitig: es geht nicht so weiter wie bisher.

„Einfach weiter so“ - das ist keine Option. Da kennen wir ja so manche Sprüche:

Von: „Stillstand ist Rückgang“,  über: „Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt“ (Erich Fried),  bis hin zu: „…wenn es erstirbt, bringt es viel Frucht“.

Vielleicht heißt das einfach: in der Veränderung liegt die Lebensdynamik.

Davon erzählen uns manche Beispiele

Zwei Menschen kommen zusammen und werden ein Liebepaar. Das Leben davor aber wird ein gutes Stück weit aufgegeben zugunsten eines neuen Lebens. Und das ganz freiwillig. Und es entsteht ganz viel Schönes, Lebendiges und viel gemeinsame Zeit.

Mit der Kirche ist es ebenso: „semper reformanda“ hat Luther gesagt und meinte schon damals:

Ein weiter so geht nicht, Zukunft gibt es nur in der Veränderung. Wir planen, gestalten, passen an.

Von manchem werden wir uns verabschieden müssen. Manches werden wir neu, ganz neu denken. Und das alles im Blick darauf, dass etwas wachsen kann und Früchte entstehen, für die Menschen, die im Neuen für sich das Evangelium als Frohe Botschaft entdecken.

Oder  - weniger schön - auch jede Krise ist ein Chance, weil sie Altes „sterben“ läßt und Neuem Platz macht. So kann man auch Covid-19 sehen. Diese weltweite Krise wirft die Frage auf, ob vor der Pandemie alles gut war, so wie es war oder ob wir nicht in vielen Bereichen die Chance nutzen, anders zu denken. Solidarischer, behutsamer, globaler und nachhaltiger. Oder machen wir einfach so weiter, wenn wir alles hinter uns haben. Weiter mit dem Konsum, mit der Mobilität, mit dem Gefühl, uns liegt die Erde zu Füßen und wir können uns bedienen, wie wir wollen. 

Ob der Krieg in dieses Muster passt? Ich wage es nicht zu denken, aber letztlich entsteht auch da

Neues, wenn auch nichts Schönes. Wir wachen in einer neuen Welt auf, die Zeiten ändern sich, Abhängigkeiten werden neu geregelt. Wir können nur hoffen, dass Menschen und Staaten von vorneherein achtsamer miteinander umgehen und es nicht erst eine Kriegskatastrophe braucht, damit wir erkennen, wie wertvoll der Mensch, die Natur, unsere Welt ist, auf die wir gegenseitig aufpassen müssen.

„Wenn das Weizenkorn .. in die Erde fällt …bringt es viel Frucht“ - dieser Vers war mir zu lange verbunden mit der Betonung des Sterbens. So sehr es dazu gehört, umso mehr steckt hierin eine Zusage und eine Verheißung. Vom Wachstum ist hier die Rede. Vom Leben. Und zwar eines, was Gott uns immer wieder neu bereitet und schenkt. Sein Segen. Sein Begleiten. Dafür hat er sich gegeben, damit er in diesem allen mit dabei ist - heute und an jedem Tag neu – daraus Mut zu schöpfen und Hoffnung, dass wünsche ich Ihnen und uns allen.

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Fürbittengebet

Herr; unser Gott,

wenn das alles nur so leicht wäre.

Wir suchen, wir fragen, wir weinen, wir warten  und wie oft bleiben wir ohne Antwort und Perspektive

Heute machst du uns wieder Mut, durch dein Wort, mit deinem Geist. Darum kommen wir zu dir und bitten dich 

dass wir das Vertrauen in dich und deine Zusagen nicht verlieren; dass wir nicht das Negative betrachten, sondern das Gute und Schöne entdecken; dass wir nicht vergessen, wie du die Welt und jeden und jede einzelne liebst. 

Wir bitten dich 

für die Menschen in dieser Welt, die hungern

für die Menschen, die an Krankheit leiden  für die Menschen, die unter kriegerischen Auseinandersetzungen leiden.

für Trauernde,  für Sorgenbelasteten und Geängsteten

für Erschreckte Gewalt und Hass

             

Gott 

Dass Hoffnung uns trägt

Dass Glaube, der mit dir rechnet, unser Denken und Handeln bestimmt   Dass Trost uns erfüllt          und Mut, Zuversicht und Vertrauen  das bitten wir dich

Und danken dir für deine Liebe,        die uns nicht vergisst, danken für deine Treue, die uns immer gilt

Wir danken dir für deine Gnade, mit der du immer an unserer Seite stehst,

Vater Unser im Himmel, ……

 

Segen

Gott segne dich und behüte dich; er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. 

Amen.

Herzliche Einladung

Immer mittwochs, 18 Uhr, Friedensgebet in der Kirche

Sonntag, den 27.3., Kinderkirche von 10 – 12 (online; Infos auf der Homepage)

Sonntag, den 27.3., Gottesdienst um 10 Uhr mit Pfr. Dirk Stoll, Kirche Waldau

Sonntag, den 3.4., Familiengottesdienst mit der Eang. Kita Waldau, 10 Uhr